Mobbing im Meeting – Kann das sein?

Der Titel einer 2012 an der Universität München eingereichten Dissertation lautet: „Bei uns gibt es kein Mobbing!“

Tatsächlich lässt sich in Gruppen leicht ein Konflikt eingestehen, nicht aber Mobbing. Das findet immer anderswo statt. Nicht dort, wo man eventuell selbst mitmacht oder es geschehen lässt. So würde einem „Neuen“ in EA gerne und ohne Nachweis geglaubt werden, dass ihn Mobbing am Arbeitsplatz in eine Depression trieb. Dass aber in einem Meeting, im eigenen, gemobbt wird, nein, das kann unmöglich sein. Schließlich sind „wir“ doch die Guten.

Es muss daher eine Verleumdung sein, Geschwätz, wenn behauptet wird, in einer Gruppe habe Mobbing stattgefunden. Ein Spinner, der so etwas denkt und sagt. Und wenn schon, dann hat er es sich selbst zuzuschreiben. So ungefähr dürfte typischerweise der denken, der sicher ist: „Bei uns gibt es kein Mobbing!“ Auch in den Kirchen denkt man ähnlich. Dass es dort ebenfalls menschelt und mitunter mobbt, sieht man auf der Website david-gegen-mobbing.de.

In 12-Schritte-Gruppen, zumal in EA, gibt es hohe Hürden gegen Mobbing. Ein Regelwerk, das Mobbing zumindest unwahrscheinlich macht. Einmal erlebte ich in einer Gruppe sogar ein Übermaß an Toleranz: Durch einen jungen Mann, der sich regelmäßig in aggressiven Schimpftiraden erging, lichteten sich allmählich die Reihen. Draußen bespuckte er Leute, drinnen machte er vor allem Frauen Angst. Lange Zeit wagte niemand, ihm Einhalt zu gebieten.

Viele Jahre später erlebte ich dann erstmals in EA ein echtes Mobbing, als Betroffener.
Und nein: Es lag nicht daran, dass ich zuvor Regeln verletzt hatte, dass ich „schwierig“ oder zu „empfindlich“ war.  Ich war einem anderen wortführenden Gruppenmitglied in die Quere gekommen, das gerne seine diversen politischen, „umweltlichen“ und sonstigen Ansichten im Meeting verbreitet.

Der Gruppensprecher brachte das Geschehen eigentlich mit wenigen Aussagen auf den Punkt:

 „Es ist doch nur eine Person, die mit Dir ein Problem hat“ (Gemeint war der ‚Wortführer‘).

 „Er mag halt nicht die Art, wie Du redest.“ (Gemeint war meine eher sachlich-nachdenkliche Art)

„Das ‚Problem‘ ist mit Logik und Argumenten nicht zu lösen.“ (‚Problem‘ = Mobbing)

„Ich spüre, dass Du darunter stark leidest.“ (Gemeint waren die Auswirkungen, von mir erlebt wie „Seelengewalt“)

 „Ich würde Dir raten, nicht (zum ‚Arbeitsmeeting‘) zu kommen.“

Das „Problem“ des Gruppensprechers:  Er hatte nicht den Mut, sich gegen die Stimmung zu stellen, die das wortführende, eloquente Mitglied mehrmals in Meetings (auch in meiner Abwesenheit) gegen mich erzeugt hatte. Es hätte seine eigene Position in der Gruppe gefährdet, ebenso die langjährige Freundschaft mit dem ‚Wortführer‘.

Ein „Arbeitsmeeting“, durch Stimmungsmache bzw. ‚Emotionstechnik‘ in meiner Abwesenheit schnell auf den Weg gebracht, sollte als Ort meiner Ächtung dienen (s. a. https://www.ea-selbsthilfe.net/2018/05/atheismus-und-pluralitaet-in-ea). Dann das kafkaeske Prozedere im „Arbeitsmeeting“:  Volle Breitseite gegen mich, während mir faktisch der Mund verboten wurde. Weil weder Logik noch Argumente, weder Fairness noch Transparenz zählten, gab es kein Protokoll dieses „Arbeitsmeetings“, keine irgendwie festgehaltenen Resultate. Spätere Fragen zu diesem speziellen Meeting werden nicht beantwortet, sie führen stattdessen zum Abbruch der Kommunikation.

Das Angebot des örtlichen Selbsthilfezentrums zu Gespräch und neutraler Mediation wird vom Gruppensprecher kurzfristig vor dem schon Wochen zuvor vereinbarten Termin verworfen – ohne jede Begründung. Von mir detailliert dokumentierte Regelverstöße werden ignoriert, ebenso meine Bitte zu einer Gruppeninventur.

Ich selbst hatte so etwas in drei Jahrzehnten bei EA zuvor noch nicht erlebt. Dass es auch in 12-Schritte-Gruppen zu Mobbing kommen kann, zeigt u.a. ein Leitfaden von CoDA Deutschland zur Gruppeninventur. Cliquenbildung und Mobbing sowie die Bildung von Hierarchien werden in diesem Leitfaden als primäre Gründe für eine solche Inventur genannt. Es scheint so etwas also auch anderswo zu geben.

Wer hat in EA schon einmal Ähnliches erlebt?
EA-Oldie

13 Gedanken zu „Mobbing im Meeting – Kann das sein?

  1. EA-Oldie

    Liebe Andrea,
    Dir und den anderen, die sich hier meldeten, die sich Gedanken machten, die das Wohl eines Einzelnen ebenso wünschen wie das der Gruppe und von EA im Ganzen: nochmals meinen Dank!
    Auch dafür, dass ich nach sechs Monaten zum allerersten Mal innerhalb von EA in offener Runde überhaupt auch nur den Mund aufmachen konnte – zu dem hier geschilderten Konflikt.
    Ich wünsche und verlange kein Vorrecht. Vor fünf Tagen schrieb ich den Sprecher meiner alten Gruppe an und informierte ihn über meinen Beitrag hier im Blog.
    Meine implizite Botschaft: Ich mache nichts hinter Deinem/Euren Rücken, ich will niemand verleumden. Du und andere Beteiligte bzw. Betroffene könnt Euren Standpunkt und Eure Sichtweise hier ebenfalls darlegen!
    Als wäre es ein virtuelles Arbeitsmeeting, in dem fundamentale Fragen für EA sachlich beredet werden können: Ist EA plural und toleriert auch atheistische Sichtweisen? Wie deutbar ist die „Höhere Macht“? Wird der Glaube an sie empfohlen oder befohlen? Welche inhaltlichen Tabus gibt es in Meeting? Welche formalen Regeln sollten für Meetings und Arbeitsmeetings eingehalten werden?
    Es sind keine marginalen Fragen. Es geht auch um die große Frage, ob die „Schritte“ nur Larifari sind, routiniert hundertmal vorgelesen und in konkreten Situationen komplett ignoriert.
    Zum Beispiel der zehnte Schritt: “ Wir haben unsere persönliche Inventur fortgesetzt und wenn wir unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.“
    Manchmal muss man nichts zugeben, sondern einfach nur Antwort geben. Wer aber nicht einmal antworten kann, wo schon im normalen Alltag aus bloßem Anstand Antwort gegeben wird:
    Wie soll der noch glaubhaft machen, dass er tatsächlich „mit dem zehnten Schritt gearbeitet“ hat?
    Der zehnte Schritt kommt übrigens ganz ohne Gott und Glauben aus und ist mir daher besonders sympathisch. Man muss nicht „spirituell erwacht“ sein, um ihn leben zu können.
    In jeder Kultur, ob in Europa, Asien, Afrika, Amerika .. ist er ohne weiteres zu verstehen und umzusetzen. Habe ich etwas falsch gemacht, lag ich in etwas falsch? Wenn ja: man muss deswegen nicht Buße tun. Manchmal genügen eins, zwei, drei Worte: Sorry. Ich lag falsch, machte etwas falsch. Wenn aber nicht einmal das möglich ist, fragt sich, ob das ganze 12-Schritte-Gerüst nur eine bloße spirituelle Fassade trägt.
    G24h
    EA-Oldie

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  2. Andrea (Stuttgart) Beitragsautor

    Lieber EA-Oldie,

    du hast in meinen Augen mit allen sachlichen Argumenten, die du anführst Recht. 100 % und vollkommen. Und doch fällt es mir sehr schwer, das so stehen zu lassen. Nicht etwa, weil du nicht Recht hast. Aber jeder Versuch einer „Gegenrede“ von mir ist immer auch ein Hinweis darauf, dass ich auch noch da bin. Gekleidet in Worte, die fehlerhaft, stümperhaft, falsch und unvollkommen sind. Die von anderen (dir z.B.) zerlegt, zerpfückt, analysiert und widerlegt werden können und werden.

    Ich empfinde dich in deinem Rechthaben (NICHT etwa „Recht haben WOLLEN“ sondern explizit und ernst gemeint „Recht haben“) was die sachlichen Argumente angeht und in deiner verzweifelten Suche nach Gerechtigkeit und Wahrheit so übermächtig, so abgrundtief dominierend, dass ich mich dabei ertappe, wie ich über vollkommen unzureichende, falsche und jederzeit widerlegbare Worte den Versuch unternehme, nichts anderes zu sagen als „Hilfe, ich bin auch noch da, ich bin auch verletzt, getreten, verzweifelt. Ich ringe ebenfalls ums Überleben. Ich möchte auch wahrgenommen und gesehen werden. Ich bin auch ein armer Mensch.“

    Mobbing geschieht immer in einer Situation des Mangels. Meist ist es Geld oder sind es Arbeitsplätze. Dann beginnt das Hacken, das Ringen um die begehrten begrenzten Ressourcen. Zeit und Aufmerksamkeit sind begrenzte Ressourcen, Führerschaft, emotional oder intellektuell ist ebenfalls eine sehr begehrte und sehr begrenzte Ressource. Und in einer Gruppe – nicht einer Gemeinschaft! – kann es oft leider nur einen Führer geben. Das ist in meinen Augen sehr bedauerlich und keinesfalls wünschenswert, ist aber der Alltag im „normalen Leben“.

    In einer authentischen Gemeinschaft dagegen gilt ein „Leadership of all“. Jeder ist gleich und jeder hat den gleichen Rang, nicht nur organisatorisch sondern auch emotional und intellektuell.

    So will ICH Gemeinschaft und auf dieses „Leadership of all“ sind in meinen persönlichen Augen die EA-Regeln ausgerichtet. Und wenn sie alle wirklich beachtet werden, kann in meinen Augen nichts anderes herauskommen als eine Gemeinschaft, in der alle den gleichen Rang haben, alle die gleiche Position haben und keiner emotional, intelektuell oder sonstwie eine Führerposition innehat. Und wo es keine Kämpfe um Rangordnungen oder Hierarchien gibt.

    Ich wiederhole noch einmal. Du hast nach meinem Empfinden mit all deinen sachlichen Aussagen Recht. Und ich verstehe, dass du mit diesem Recht haben gehört und gesehen werden willst. Ich wünsche dir aber von Herzen, dass du die Frage „Willst du Recht haben oder glücklich sein“ ab und zu mit einem klaren „ich will glücklich sein“ beantworten kannst.

    Andrea

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    1. Andrea

      und ich wünsche dir und deiner Gruppe, dass ihr gemeinsam den Weg in eine Gemeinschaft findet, in der jeder seinen Platz hat und glücklich sein kann und wo das „Recht haben“ kein Thema mehr und das „gesehen und gehört werden“ selbstverständlich ist. Wo keiner Angst hat sein Gesicht oder seine Position zu verlieren oder als Buhmann oder Schwächling dazustehen. Aber dazu muss jeder einzelne von Euch einen Schritt zurücktreten und ganz genau prüfen, was er oder sie da eigentlich und tief im Herzen wirklich möchte und ob ihr diesen Weg auch wirklich gemeinsam gehen wollt.

      Gute 24 Stunden

      Andrea

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    2. EA-Oldie

      Liebe Andrea,

      Du schreibst: „Mobbing geschieht immer in einer Situation des Mangels.“ Immer? Bist Du Dir wirklich sicher?
      Es klingt für mich ein wenig wie das vermeintliche Expertentum von Leuten: „Das ist doch nichts (anderes) als …“ Man glaubt, einer Sache auf den Grund gekommen zu sein – anders als Experten, die sich intensiv oder beruflich mit einer Thematik beschäftigen.
      Gewalt / Vergewaltigung geschieht „immer in einer Situation des Mangels“, ebenso Diebstahl, Betrug, Terror, Krieg …. Dass etwas „immer in einer Situation des Mangels“ geschieht, lässt sich über alles Mögliche sagen. Und es ist in dieser Form schlicht falsch.
      Kenntnisreicher zeigt sich in diesem Fall das bayrische Kultusministerium:
      „Mobbing ist also ‚kein Konflikt zwischen Zweien oder einigen Wenigen, die gleich stark sind und Krach miteinander haben. Mobbing bezeichnet den wiederholten und systematischen Missbrauch einer sozialen Machtposition.‘ (Schäfer/Korn 2004 I, 263) Es handelt sich um einen gruppendynamischen Prozess. Da Mobbing nicht den Regeln eines Konflikts folgt, ist der Einsatz von Mediation in diesem Fall wenig geeignet.“
      Der Gemobbte ist nicht „abgrundtief dominierend“, sondern steht abgrundtief allein. Nur einer tritt vielleicht? aus der Gruppe heraus und wagt ihr zu sagen: „Das geht gar nicht!“
      Es zeigen zehn, zwanzig oder mehr Finger auf einen Ausgegrenzten, aber nicht mit sachlichen Argumenten, sondern mit nur einem Argument, dem der Zahl: „Wir sind die Mehrheit, wir sind die Gruppe. Du bist nur einer, Du bist nichts. … Du magst sagen, was Du willst. Es zählt nicht. Unsere zehn, zwanzig Finger zählen mehr als jedes Wort, als jede Antwort.“
      Kinder sollen manchmal grausam sein, es gibt grausame Erwachsene, es gibt Menschen, die aus Lust unterwerfen und demütigen, die ihre Machtposition nutzen und genießen. Gemobbt werden mitunter auch Whistleblower – wenn sie Missstände bemerkt oder beklagt haben, wenn sie jemandem zur Gefahr werden.
      Menschen sind nicht aus sich heraus immer gut und fair und es bedarf nicht erst eines Mangels, um ihre dunklen Seiten auszuleben.

      LG

      EA-Oldie

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  3. Christine

    Hallo EA-Oldie,
    es ist sehr traurig, dass es auch im Meeting Mobbing gibt.
    wo ein Meeting doch ein sicherer und geschützter Raum sein sollte.
    Nicht umsonst besagen die EA-Regeln „wir urteilen nicht, wir argumentieren nicht, wir kritisieren nicht“.
    es scheint, in eurer Gruppe läuft einiges nicht im Sinne von EA.
    eine Gruppeninventur wäre tatsächlich wohl hilfreich.
    aber solange diese von einigen Mitgliedern nicht gewollt ist ist es schwierig.
    Auch an diesem ‚Arbeitsmeeting‘ scheint etwas faul zu sein. Dort werden normalerweise Sachfragen besprochen, mit Ergebnisprotokoll. es scheint, dieses wurde dazu missbraucht, einzelne Personen auszugrenzen. Das geht gar nicht.
    g24h christine

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    1. EA-Oldie

      Hallo Christine,

      „(Im Arbeitsmeeting )werden normalerweise Sachfragen besprochen, mit Ergebnisprotokoll. Es scheint, dieses wurde dazu missbraucht, einzelne Personen auszugrenzen. Das geht gar nicht.“

      Ich danke Dir sehr für diese ebenso knappe wie klare Feststellung!

      G24h
      EA-Oldie

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  4. andrea

    Lieber EA-Oldie,

    ich kenne dich nicht und auch nicht die Gruppe von der du sprichst.

    Mobbing ist ein ernster Vorwurf und es fällt mir schwer, wenn ich damit konfrontiert werde, mich hinter schönen Worten und Nichtstun zu verstecken.oder mich darauf zu verlassen, dass eine Höhere Macht das Problem schon lösen wird.

    Ich selbst gehe damit sehr vorsichtig um. Habe ich doch die Erfahrung gemacht, dass jedesmal, wenn ich mich aus einer Gruppe ausgeschlossen fühlte, ein mehr oder weniger großer Teil in mir selbst, die Gruppe aus meinem Herz ausschloss oder nach Gründen suchte, die Gruppe auszuschließen. Auch stelle ich wieder und wieder fest, dass Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung nicht immer kongruent sind und oft auch je nach Umfeld wechseln. Erleben mich die Einen als schüchtern und zurückhaltend, kann ich in einem anderen Umfeld als sehr dominant erscheinen. Das hängt von sehr vielen Faktoren ab, unter anderem von meinen eigenen Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten und von denen der anderen.

    Auch habe ich erlebt, dass Schweigen nicht immer ein Eingeständnis von Schuld oder schlechtem Gewissen sein muss. Manchmal ist Schweigen nichts anderes als Notwehr, denn wenn Antwort und Gegenantwort wieder und wieder vom Ästchen zum Stöckchen und zurück zum Zweigchen führen, kann wie es so schön heißt, Reden zwar Silber, Schweigen aber Gold und die letzte Notlösung sein, wenn man sich als einzelner oder als Gruppe sonst nicht erwehren kann.

    Und die Fünf-Finger-Regel gilt in meinen Augen auch nahezu immer: wenn ich mit einem Finger auf andere zeige, richten sich gleichzeitig 3 bis 4 Finger gegen mich selbst.

    Aber ich weiß auch, wie schnell sich eine Gruppe auf einen Einzelnen „einschießen“ kann und wie schnell ein Einzelner dann aufgibt und geht. Und wer nicht mehr da ist, kann auch nicht mehr „stören“ oder anecken – Problem gelöst … oder?

    Ich finde es wichtig, auch schwierige Themen wie „Mobbing“ ansprechen und diskutieren zu können. Zuallererst mit den Personen und innerhalb der Gruppen, die direkt davon betroffen sind, wenn das nicht hilft, auf anderen Wegen. EA hat kein Unterstützungsteam für Gruppen in Schwierigkeiten. Weder die Intergruppe noch die einzelnen Diensttuenden haben oder sind Ankläger, Verteidiger, Staatsanwälte, Richter oder Moderatoren. Wir sind auch keine Zensurbehörde

    Einer dieser Wege mag der EA-Blog sein, ob es sich nun um das Mobbing oder um die Notwehr einer Gruppe gegenüber einem Einzelnen handelt – vorausgesetzt, die EA-Regeln wie Anonymität und ein angemessen respektvoller Ton werden gewahrt, hier sehe ich zwar Schwächen in deinem Beitrag, aber wir sind ja alle nur Menschen.

    Ich kenne – wie gesagt – weder dich noch die Gruppe – ich wünsche nur allen Beteiligten, dass sie (wieder) ins Gespräch und damit vielleicht in die Versöhnung kommen.

    Andrea

    Antworten
    1. EA-Oldie

      Liebe Andrea, ehrlich und ausdrücklich danke ich Dir für Deinen Kommentar!
      Du hast etwas gelesen, Du hast nachgedacht, Du hast Dir die Mühe gemacht, etwas zu schreiben. Gleichzeitig zeigt schon Dein erster Satz, dass Du die tatsächliche Situation nicht kennst.
      Daher zuerst einige Klarstellungen:
      1. Mein Vorwurf des Mobbings richtet sich nicht (!) gegen die gesamte Gruppe sondern gegen eine einzige (!) Person, die jedoch dominierenden Einfluss besitzt.
      2. Letzmals war ich am 23. Januar in dieser Gruppe.
      3. Niemals habe ich während eines Meetings oder Nachmeetings irgendjemand kritisiert oder angegriffen. Ich wurde nie laut. Ich stand nie vor jemandes Tür. Ich habe niemand je telefonisch belästigt.
      Der Begriff „Notwehr“ bezieht sich i.A. auf Angriffe, die Leib und Leben gefährden. Ihn in diesem Kontext zu verwenden ist abwegig.
      4. Meinen an eine einzige Person gerichteten Vorwurf des Mobbings habe ich minutiös belegt, begründet und dokumentiert. Ich habe dazu Äußerungen dieser Person exakt zitiert und datiert. Ich habe den zeitlichen Ablauf („Mobbing-Tagebuch“) detailliert dargelegt. Ich habe damit korrespondierend mehrfache, gravierende Verletzungen von EA-Regeln aufgelistet. Ich war und bin mit meinem Vorwurf des Mobbings nicht unvorsichtig, sondern im Gegenteil übervorsichtig.
      5. Die von mir beschuldigte Person, ich nenne sie K. für „Kontrahent“, hatte in Meetings mehrfach Gelegenheit, mich in meiner Abwesenheit (!) zu „beschuldigen“. Auf Basis seiner völlig einseitigen und mutmasslich auch unwahren Behauptungen. Er setzte damit innerhalb von 14 Tagen ein „Arbeitsmeeting“ auf den Plan, in dem er die „Beschuldigungen“ fortsetzte – unter Beihilfe von komplett uninformierten Mitgliedern.
      6. Ich bekam weder in einem normalen Meeting, noch in dem „Arbeitsmeeting“ jemals irgendeine Gelegenheit, auf diese „Beschuldigungen“ etwas zu entgegnen.
      7. Die gegen mich gerichteten „Beschuldigungen“ waren komplett substanzlos, so dass in diesem unprotokollierten (!) Arbeitsmeeting keine Sachergebnisse festgehalten wurden, kein Beschluss gefasst wurde, keinerlei Regelverletzung festgestellt wurden.
      Es war alles nur „heiße Luft“.

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    2. EA-Oldie

      Liebe Andrea,
      ja, diese Lebensweisheiten und Kalendersprüche. In manchen Situationen sind sie wirklich weise und an manchen Tagen treffend.
      Aber eben nicht immer. Angenommen, ein siebenjähriger Bengel kommt mit einem Verweis nach Hause. In der Schule hat er mutwillig eine Fensterscheibe mit einem Steinwurf zerdeppert. Wenn ihn die Eltern zur Rede stellen, antwortet er: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“.
      Die gleiche Antwort erhält eine Frau, wenn sie ihren Partner auf einen Seitensprung anspricht, der ihr gerade bekannt geworden ist.
      „Und die Fünf-Finger-Regel gilt in meinen Augen auch nahezu immer: wenn ich mit einem Finger auf andere zeige, richten sich gleichzeitig 3 bis 4 Finger gegen mich selbst.“
      Darauf beruft sich dann ein wegen Raubüberfalls Angeklagter, nachdem die Anklage gegen ihn verlesen wurde.
      Ein Prominenter, der im Internet geraden einem Shitstorm (z.B. #metoo) ausgesetzt ist, versucht es mit beidem:
      Zuerst: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Und dann: „Wenn ich mit einem Finger auf andere zeige, richten sich gleichzeitig 3 bis 4 Finger gegen mich selbst“.
      Das gleiche macht eine Regierung, wenn sie im Parlament auf Angriffe und Vorhaltungen der Opposition antworten sollte.
      Wer tatsächlich Mobbing, gezielte Ausgrenzung, Rufschädigung erfahren hat, wird beide Sprüche als zynisch empfinden, wenn sie die einzige Antwort auf konkrete Fragen und konkrete Vorwürfe darstellen.
      Und mehr noch als die Fünf-Finger-Regel gilt das „Prinzip Verantwortung“: Man antwortet, wenn man etwas zu verantworten hat und gefragt wird.
      Die genannten Lebensweisheiten kann man vielleicht zitieren, wenn man zuvor ehrlich und ausreichend geantwortet hat. Nicht, wenn man nie geantwortet hat.
      G24h
      EA-Oldie

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  5. EA-Oldie

    Hallo Kay,
    danke für Deinen Kommentar!
    Nein, beide Blogposts sind von mir. Ich nenne mich EA-Oldie, weil ich EA seit über 32 Jahren kenne, besuche und wertschätze. Jener A-Freund, der mit großer Selbstverständlichkeit seine politischen und sonstigen Ansichten im Meeting teilt, ist der gleiche, der meinen fehlenden Gottesglauben „unerträglich“ fand und entscheiden will, ob ich (zukünftig) noch „ausreden“ kann oder nicht. Wie lange er EA kennt, weiß ich nicht. Vielleicht fünf Jahre. Womöglich eine zu kurze Zeit, um grundlegende EA-Regeln zu begreifen.
    Dass ich im Meeting meine atheistische Sicht bekannte (ohne eine höhere Macht leugnen zu wollen) und ihn später auf seine Regelverstöße hinwies (fortgesetztes Politisieren / Kritisieren von Beiträgen ) war ihm Anlass, mich aus dieser Gruppe zu mobben. G24h EA-Oldie

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  6. Kay

    Hallo Oldie 🙂

    ich vermute wegen Deines Bezuges auf den Beitrag > https://www.ea-selbsthilfe.net/2018/05/atheismus-und-pluralitaet-in-ea <, dass es aktuelle Auseinandersetzungen in Eurer Gruppe gibt. Deshalb vermute ich auch, dass die zwei Beiträge von den jeweils Beteiligten eines Konfliktes in der konkreten Gruppe stammen und Eure gleiche Namensgebung nur auf die beiderseitig vorhandene langjährige Erfahrung in EA hinweisen soll. Das mal vorweg als Grundlage, von dem ich ausgehe. Allein ein nicht gelöster Konflikt innerhalb einer Gruppe macht mich traurig. Ich habe es durchaus schon einige Male gehört, dass es größere Schwierigkeiten in einigen Gruppen gibt und dies kann die einzelnen Mitglieder einer Selbsthilfegruppe vor erhebliche Probleme stellen, die lieber auch gemieden werden oder vor denen auch die Flucht ergriffen wird. Es ist für mich befremdlich, wie es zu Verhalten in einer Gruppe kommen kann, was für Beteiligte als Mobbing erlebt wird. Das passt überhaupt nicht mit meinem Bild von EA. Bei uns in der Gruppe versuchen wir uns auf das Teilen unserer Erfahrung, Kraft und Hoffnung zu konzentrieren. Da passt die von dir erwähnte Verbreitung politischer Ansichten oder umweltlicher Überzeugungen für mich nicht so recht rein. Aber sei es drum. Für aktuelle Schwierigkeiten in einer Gruppe bieten manchmal die Texte von „Gruppen in Schwierigkeiten“ Nr. 310 Impulse; allerdings kann ich nicht beurteilen, ob dies für Euch hilfreich ist. Vielleicht wurde ja auch schon versucht, mit diesen Texten weiter zu kommen. Bezogen auf Deinen Beitrag hier, hört es sich so an, dass Du ein Verhalten eines Gruppenmitgliedes oder von mehreren Gruppenmitgliedern als Mobbing erlebst und dies in verschiedenen Situationen schwierig für Dich oder für die gesamte Gruppe wurde. Sowas kann viel Leid auslösen. Wir in unserer Gruppe teilen unser Leid und mir tat es oftmals gut. Ich möchte Dir Mut zusprechen, Dein Leid in der Gruppe zu teilen. Vielleicht hast Du es ja auch schon oft getan und als EA-Oldie lächelst Du nur müde über meine versuchte Aufmunterung. In meiner EA-Erfahrung war es für mich der erste Schritt dafür, mir meine Emotionen bewusster zu machen. Indem ich die Auslöser – für mich war dies meist das Verhalten von anderen - meiner Emotionen erkennen und diese von meinen Emotionen selbst trennen lernte. Dann konnte ich allmählich beginnen, mit meinen Emotionen bewusster umzugehen. Das was mir weh tat und was immer wieder schmerzte, konnte ich in meiner Gruppe sagen und im Benennen meiner Gefühle wurde für mich eine Tür geöffnet. Vielleicht sind Dir diese Erfahrungen nicht fremd und Du hast ein wirkliches Bedürfnis nach Unterstützung oder Zusammenhalt oder Akzeptanz in der Gruppe. Denn umso weniger das erfüllt wird, umso ärgerlicher oder frustrierender wird es auch in einer Gruppe sein. Dann braucht es vielleicht nur etwas Zuspruch und mit dieser Motivation sei es nochmal erwähnt: Reden hilft! 😉 Und ein guter Rahmen dafür ist die Gruppe. Ich habe tatsächlich erlebt, indem ich über meine Schwierigkeiten immer wieder geredet habe, dass ich immer mehr den Frieden des Programms erfahren durfte. Das dürftest Du als EA-Oldie auch kennen und deshalb wünsche ich Dir, dass Du diese Erfahrung erneut machst – von ganzem Herzen. G24h, Kay

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    1. EA-Oldie

      Hallo Kay,
      das noch zur Ergänzung: Du schreibst, dass die „Verbreitung politischer Ansichten oder umweltlicher Überzeugungen“ nicht so recht zu EA passt. Nun, es passt überhaupt nicht zu EA.
      In der Präambel heißt es: „Wir sind mit keiner … politischen Partei oder Organisation verbunden.“
      Im sechsten EA-Gedanken heißt es: „Wir diskutieren niemals über Religion, Politik, nationale oder internationale Streitfragen, andere Glaubenslehren oder Ideologien.“
      Die 10. Tradition lautet: „EA nimmt niemals Stellung zu Fragen außerhalb ihrer Gemeinschaft“
      Beim Thema Schritte, Glaube, Gott ist ein Sprechen über Religion naheliegend.
      Dagegen ist ein Sprechen über Politik und damit verbundene Streitfragen mit gutem Grund eigentlich ein Tabu im Meeting. Es kann Streit auch in der Gruppe entzünden.
      Wer in Meetings dennoch fortgesetzt für exponierte politische Websites wirbt, wer in aller Selbstverständlichkeit seine Redezeit für das Bekennen und Verbreiten politischer und sonstiger Ansichten nutzt, hat grundlegende A-Regeln nicht verstanden bzw. missachtet sie wissentlich.
      Wenn eine Gruppe über viele Jahre hinweg einem einzelnen Mitglied exklusiv gestattet, sich über elementare Regeln hinwegzusetzen, ist etwas faul. Auch dann, wenn vieles andere stimmt.
      Ich hatte gewagt, dieses Mitglied privat und in freundlichem Ton auf sein Missachten elementarer Meetingsregeln hinzuweisen: Fortgesetztes Politisieren und Kritisieren – auch von Beiträgen eines anderen. ( s.a. https://seelengewalt.wordpress.com/regelverletzungen/).
      Ab diesem Moment betrieb er meine Ausgrenzung: Mit einer schon im Ton feindseligen, abwertenden und unversöhnlichen Antwort, die ein weiteres Miteinander in der Gruppe (bewusst) unmöglich machte, mit Stimmungsmache hinter meinem Rücken (natürlich „anonym“), mit einem als Tribunal inszenierten „Arbeitsmeeting“.
      Da es mir in der Gruppe bzw. dem Meeting faktisch unmöglich gemacht wurde, überhaupt auf diese Angriffe zu reagieren, habe ich das Geschehen schließlich dokumentiert: als einen wohl sehr seltenen Fall von Mobbing in einer 12-Schritte-Gruppe.
      Vielleicht lässt sich daraus auch etwas lernen.
      Eine (anonyme) Gegendarstellung ist möglich und von mir sogar gewünscht.
      Nochmals danke für die Bereitschaft auch ein so problematisches Thema aufzugreifen!
      G24h
      EA-Oldie

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