Mobbing im Meeting – Kann das sein?

Der Titel einer 2012 an der Universität München eingereichten Dissertation lautet: „Bei uns gibt es kein Mobbing!“

Tatsächlich lässt sich in Gruppen leicht ein Konflikt eingestehen, nicht aber Mobbing. Das findet immer anderswo statt. Nicht dort, wo man eventuell selbst mitmacht oder es geschehen lässt. So würde einem „Neuen“ in EA gerne und ohne Nachweis geglaubt werden, dass ihn Mobbing am Arbeitsplatz in eine Depression trieb. Dass aber in einem Meeting, im eigenen, gemobbt wird, nein, das kann unmöglich sein. Schließlich sind „wir“ doch die Guten.

Es muss daher eine Verleumdung sein, Geschwätz, wenn behauptet wird, in einer Gruppe habe Mobbing stattgefunden. Ein Spinner, der so etwas denkt und sagt. Und wenn schon, dann hat er es sich selbst zuzuschreiben. So ungefähr dürfte typischerweise der denken, der sicher ist: „Bei uns gibt es kein Mobbing!“ Auch in den Kirchen denkt man ähnlich. Dass es dort ebenfalls menschelt und mitunter mobbt, sieht man auf der Website david-gegen-mobbing.de.

In 12-Schritte-Gruppen, zumal in EA, gibt es hohe Hürden gegen Mobbing. Ein Regelwerk, das Mobbing zumindest unwahrscheinlich macht. Einmal erlebte ich in einer Gruppe sogar ein Übermaß an Toleranz: Durch einen jungen Mann, der sich regelmäßig in aggressiven Schimpftiraden erging, lichteten sich allmählich die Reihen. Draußen bespuckte er Leute, drinnen machte er vor allem Frauen Angst. Lange Zeit wagte niemand, ihm Einhalt zu gebieten.

Viele Jahre später erlebte ich dann erstmals in EA ein echtes Mobbing, als Betroffener.
Und nein: Es lag nicht daran, dass ich zuvor Regeln verletzt hatte, dass ich „schwierig“ oder zu „empfindlich“ war.  Ich war einem anderen wortführenden Gruppenmitglied in die Quere gekommen, das gerne seine diversen politischen, „umweltlichen“ und sonstigen Ansichten im Meeting verbreitet.

Der Gruppensprecher brachte das Geschehen eigentlich mit wenigen Aussagen auf den Punkt:

 „Es ist doch nur eine Person, die mit Dir ein Problem hat“ (Gemeint war der ‚Wortführer‘).

 „Er mag halt nicht die Art, wie Du redest.“ (Gemeint war meine eher sachlich-nachdenkliche Art)

„Das ‚Problem‘ ist mit Logik und Argumenten nicht zu lösen.“ (‚Problem‘ = Mobbing)

„Ich spüre, dass Du darunter stark leidest.“ (Gemeint waren die Auswirkungen, von mir erlebt wie „Seelengewalt“)

 „Ich würde Dir raten, nicht (zum ‚Arbeitsmeeting‘) zu kommen.“

Das „Problem“ des Gruppensprechers:  Er hatte nicht den Mut, sich gegen die Stimmung zu stellen, die das wortführende, eloquente Mitglied mehrmals in Meetings (auch in meiner Abwesenheit) gegen mich erzeugt hatte. Es hätte seine eigene Position in der Gruppe gefährdet, ebenso die langjährige Freundschaft mit dem ‚Wortführer‘.

Ein „Arbeitsmeeting“, durch Stimmungsmache bzw. ‚Emotionstechnik‘ in meiner Abwesenheit schnell auf den Weg gebracht, sollte als Ort meiner Ächtung dienen (s. a. https://www.ea-selbsthilfe.net/2018/05/atheismus-und-pluralitaet-in-ea). Dann das kafkaeske Prozedere im „Arbeitsmeeting“:  Volle Breitseite gegen mich, während mir faktisch der Mund verboten wurde. Weil weder Logik noch Argumente, weder Fairness noch Transparenz zählten, gab es kein Protokoll dieses „Arbeitsmeetings“, keine irgendwie festgehaltenen Resultate. Spätere Fragen zu diesem speziellen Meeting werden nicht beantwortet, sie führen stattdessen zum Abbruch der Kommunikation.

Das Angebot des örtlichen Selbsthilfezentrums zu Gespräch und neutraler Mediation wird vom Gruppensprecher kurzfristig vor dem schon Wochen zuvor vereinbarten Termin verworfen – ohne jede Begründung. Von mir detailliert dokumentierte Regelverstöße werden ignoriert, ebenso meine Bitte zu einer Gruppeninventur.

Ich selbst hatte so etwas in drei Jahrzehnten bei EA zuvor noch nicht erlebt. Dass es auch in 12-Schritte-Gruppen zu Mobbing kommen kann, zeigt u.a. ein Leitfaden von CoDA Deutschland zur Gruppeninventur. Cliquenbildung und Mobbing sowie die Bildung von Hierarchien werden in diesem Leitfaden als primäre Gründe für eine solche Inventur genannt. Es scheint so etwas also auch anderswo zu geben.

Wer hat in EA schon einmal Ähnliches erlebt?
EA-Oldie

19 Gedanken zu „Mobbing im Meeting – Kann das sein?

  1. Andrea (Stuttgart) Beitragsautor

    Lieber EA-Oldie,

    ich glaube dir und du hast Recht, dich gegen Regelverstöße zu wehren. Aber du stellst die Frage, ob eine einzelne Person eine Gruppe überhaupt mobben kann.

    Eine Person eine Gruppe oder ein Meeting nachhaltig und wiederholt stören, wenn sie oder er eines oder mehrere der Dinge tut, die im Leitfaden „Umgang mit Störungen“ auf Seite 1 rechte Spalte beschrieben sind.

    Als „Mobbing“ würde ich persönlich es dann bezeichnen, wenn eine Person sich – obwohl sie vom Gruppenleiter, dem Gruppengewissen oder in einem Arbeitsmeeting gebeten wurde, dieses Verhalten zu unterlassen – trotzdem weiterhin so verhält.

    Den nächsten, weitergehenden Schritt der Gruppe, wenn sich das Verhalten der störenden Person nicht ändert, nämlich die Bitte, das Meeting für eine gewisse Zeit nicht mehr aufzusuchen, wird eine Gruppe meiner Erfahrung nach sehr vorsichtig und nur in höchster Not anwenden und hier gegebenenfalls sogar länger warten, als ihr gut tut. Das hast du ja selbst in deinem Blogbeitrag beschrieben. Unter Umständen hofft die Gruppe sehr lange hier auf die Einsicht des störenden Mitgliedes, die höhere Macht und „drückt sich“ um diese nicht nur unangenehme sondern auch (für das störenden Mitglied) verletzende Maßnahme.

    Aber auch für diesen Fall wird eine Möglichkeit aufgezeigt, das störende Mitglied trotz Abwesenheit weiter in Kontakt zu halten: „über Einzelne, über Telefon, über einen Sponsor“.

    Dieser Leitfaden steht auf unserer Website zum Download kostenlos bereit und zeigt, dass es nicht nur möglich ist sondern auch vorkommt, dass eine einzelne Person eine Gruppe stört und wenn sie dies hartnäckig auch nach einer Aufforderung nicht unterlässt – wie ich es nennen würde – „mobbt“.

    Was auch in diesem Leitfaden steht, ist: „Es steht EA-Meetingsteilnehmenden jederzeit frei, ein anderes Meeting zu besuchen oder ein neues zu gründen, wenn sie mit den Entscheidungen der Mehrheit ihrer Gruppe unglücklich sind.“

    Den Mut, solche Störungen offen anzusprechen und ggf. die störende Person zu bitten, das Meeting eine Zeit lang nicht mehr zu besuchen, muss die Gruppe – so schwer es auch fällt – aufbringen können. Eine sehr menschliche Schwäche ist es – für die Gruppe und das störende Mitglied – die Zeichen so lange wie nur irgend möglich gar nicht wahrzunehmen, sich etwas vorzumachen und sich vor Entscheidungen und Konsequenzen zu drücken. Und – auch ein oft vorkommendes Verhalten – nach diesem „zu lange warten“ hoffnungslos über das Ziel hinaus zu schießen.

    Im Übrigen könnte man tatsächlich auch bereits dort von Verletzungen der EA-Anonymität sprechen, wo sich aus den Gruppen über die Meetings hinausgehende „private“ Freundschaften entwickeln, die zu emotionalen Verstrickungen führen können, die im Meeting und in der Gruppe einfach nicht mehr zu lösen sind.

    Aber in diesem Leitfaden steht auch: „Teilnahme an einem EA-Meeting und seine Leitung erfordern ein wohlwollendes Miteinander. Wir sollten nie starr in unserer Auslegung der EA-Regeln sein, denn so zu handeln stellt das Formale über den Heilungsprozess.“

    Gute 24 Stunden

    Andrea

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    1. EA-Oldie

      Hallo Andrea,
      natürlich gibt es gelegentlich „Störungen“ in Meetings bzw. Gruppen. Im ärgsten Fall kann eine einzelne Person andere oder eine ganze Gruppe in Gefahr bringen.
      Aber das ist kein Mobbing. Mobbing zielt immer darauf ab, eine oder auch mehrere Personen aus einer Gruppe auszugrenzen, mit unfairen Methoden.
      Insofern kann eine Person eine Gruppe stören oder sogar bedrohen, aber eben nicht „mobben“.
      Es so zu nennen, verwirrt die Begriffe. Es ist ähnlich, als würde man jeden Konflikt als Krieg bezeichnen, nur weil Krieg ein besonders zugespitzter Konflikt ist. Letztlich werden Begriffe entwertet und bedeutungslos, wenn sie unpassend oder inflationär verwendet werden.
      Nicht alles, was Mobbing genannt wird, ist also Mobbing. Tatsächlich könnte es sich auch um nachvollziehbare Reaktionen auf gravierende oder andauernde „Störungen“ durch ein Gruppenmitglied handeln.
      Was mich persönlich angeht, wurde mir in keinem EA-Meeting (in 3 Jahrzehnten) jemals eine „Störung“ vorgeworfen – abgesehen von einer Situation und einer Person, die neu in EA war und dort kurz zuvor gelernte „Klinik-Regeln“ einführen wollte.
      Das mobbende Gruppenmitglied wurde vom Gruppensprecher wegen ignorierter Themenvorgabe und konfliktorientierten Auftretens per „Störung“ gemahnt, jedoch ohne Folgen.
      G24h
      EA-Oldie

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  2. Andrea

    Lieber EA-Oldie,

    ich bewundere deinen Mut an die Öffentlichkeit zu gehen, ich bewundere deine Hartnäckigkeit, dabei zu bleiben und du und deine ehemalige Gruppe hast bzw. haben mein tiefstes Mitgefühl, was deine/eure Verletzungen angeht und den Druck, den du dir und anderen mit diesem Gang an die Öffentlichkeit geschaffen hast.

    Ich kenne nur deine Version der Geschichte, minutiös aufgelistet und protokolliert. Diese Geschichte oder deine Version dieser Geschichte zeigt mir aber nur eines: EA ist keine Gemeinschaft von Weisen und Unfehlbaren. Das bist du nicht und die Menschen in deiner ehemaligen Gruppe auch nicht. Jeder von uns hat blinde Flecken, macht Fehler, wird wütend und schlägt manchmal einfach nur blind und verletzt um sich.

    Wenn alles so stimmt, wie du es beschrieben hast, dann liegen eklatante Verstöße gegen elementare EA-Regeln vor. Da gibt es nichts zu Rütteln. Ob diese im Meeting oder außerhalb des Meetings im Rahmen eines „privaten“ Austausches passiert sind, ist eine andere Frage. Deine Beschreibungen machen mir aber generell Angst, deine Schilderungen schrecken mich zutiefst ab, wenn ich nicht schon in EA wäre, würde ich niemals wagen, in so eine „Gemeinschaft“ zu gehen. Ich hätte Angst in eine faschistoide Sekte zu geraten, Angst unterzugehen und noch kränker und unglücklicher zu werden als vorher. Zum Glück habe ich in EA sehr sehr viele freundliche, offene, gesprächsbereite, versöhnliche und vernünftige Menschen kennengelernt und muss diese Angst nicht haben.

    Da dir keiner widerspricht oder alles in ein anderes Licht rückt, ist deine Version die einzig verfügbare. Damit kann ich leben – bin ich so doch wenigstens nicht gezwungen, wenn auch nur für mich selbst die Entscheidung darüber zu treffen, wer Recht und wer Unrecht hat. EA hat keine Staatsanwälte, Verteidiger oder Richter. Die einzige Instanz, die es bei uns gibt, ist das „Gruppengewissen“ und hier ist jedes einzelne Gruppenmitglied gefordert, Verantwortung für sich und für die Gruppe als Ganzes zu übernehmen, den Mund zu öffnen oder ihn geschlossen zu halten.

    Ich kenne aber auch die Aussage einer anderen Person, die sagte: „Halt, halt, halt, das ist alles ganz anders, nicht die Person wurde gemobbt, die Person mobbt unsere Gruppe und wir sind vollkommen hilflos“. Ich war sehr froh und diese Person auch, dass wir gemeinsam feststellen konnte, es geht um eine andere Gruppe, diese Person warst nicht du. Und so einen „falschen Verdacht“ ausräumen konnten, der sicher sehr viel weiteres Leid verursacht hätte.

    Es gibt also auch den umgekehrten Fall – eine Person mobbt oder bespamt eine ganze Gruppe und macht diese hilflos und lähmt jede positive Entwicklung. Und auch hier wieder ist die einzige Erkenntnis, die ich daraus ziehe: wir sind „nur“ oder zum Glück Menschen, Alle!, klein, fehlbar, verletzbar und verletzend und letzten Endes immer alleine.

    Ich weiß nicht, wie das alles bei dir weitergeht. Ich fürchte, dass Vergebung und Versöhnung nicht möglich sein werden, würde es aber wünschen.

    Ich weiß dass viele EA-Meetings und viele EA-Gruppen anders ticken, anders laufen. Dass in vielen Gruppen ein offener, freundlicher, nährender und heilender Austausch möglich ist. Dass viele Gruppen einen sehr geschützten und behüteten Raum darstellen, in dem Menschen sich in Geborgenheit und sehr offen und ehrlich zeigen können. Die EA Regeln machen dies – wenn sie eingehalten werden – einfach oder doch sehr viel einfacher als im „normalen“ Leben.

    Ich bin froh, dass dies in meinem Meeting so ist und ich bin auch froh, dass die Menschen in meinem Meeting miteinander und nicht nur übereinander reden können. Nicht immer, wohlgemerkt, manchmal ist es sehr schwer aber mit gutem Willen und der Unterstützung unserer Höheren Macht, die für jeden anders aussieht, gelingt uns dies zumindest manchmal.

    Andrea

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    1. EA-Oldie

      Hallo Andrea,

      Du schreibst: “ Ich hätte Angst in eine faschistoide Sekte zu geraten“

      Kannst Du irgendeine Aussage von mir nennen, in der die Gemeinschaft EA als faschistoide Sekte erscheint? Das ist doch ganz und gar abwegig.

      EA, das ist u.a. auch diese Website, der Blog, die Menschen, die sich dort äußern oder austauschen. Nichts daran ist faschistoid, im Gegenteil. Es findet ein offener Austausch statt.

      Auf meiner eigenen Website erkläre ich schon zu Beginn in aller Deutlichkeit:

      „Dieser Fall von Mobbing ist ein Ausnahmefall. Als solcher wird er hier dokumentiert.

      Mit EA und den Menschen, die ich dort traf, habe ich viele Jahre nur die besten Erfahrungen gemacht. Das gilt auch für diese konkrete Gruppe – bis Ende 2017.

      Der (mobbende) Akteur war im Wesentlichen eine einzige (jedoch wortführende) Person. “

      Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man einer einzigen Person in einer bestimmten Gruppe Mobbing vorwirft, mit dokumentierten Gründen, oder ob man eine große Gemeinschaft als faschistoid hinstellt. Wenn in einer Schulklasse ein wortführender Schüler einen anderen mobbt, ist deswegen die Schule nicht faschistoid. Ebenso wenig ist ein Konzern faschistoid, wenn an einem Standort, in einer Abteilung eine Person eine andere (heraus-) mobbt.

      Indem ich, wie Du schreibst, „eklatante Regelverletzungen“ benenne, wird doch deutlich, dass nur durch den Bruch von EA-Regeln Mobbing möglich wird. „Faschistoid“ wäre eine Gruppe, wenn gerade die Einhaltung von Regeln, wenn die Regeln selbst dem Ausgrenzen von Menschen dienen würden.

      So wie Du könnte man in der katholischen Kirche argumentieren: Indem in bestimmten Gemeinden durch bestimmte Personen sexueller Missbrauch stattfand, könnte die gesamte Kirche als pädophile Sekte erscheinen, vor der man Angst haben müsse.

      Solche Argumente bzw. Sichtweisen führen oft dazu, dass gravierende Verfehlungen, dass Straftaten geheim gehalten werden, damit nicht die gesamte Organisation in schiefem Licht erscheint.

      >Jeder von uns hat blinde Flecken, macht Fehler, wird wütend und schlägt manchmal einfach nur blind und verletzt um sich.< Das ist richtig. Aber Du solltest mir so viel Lebenserfahrung zubilligen, dass ich den Unterschied von bloßen Fehlern u.ä. zu Mobbing kenne. Wer nur Fehler macht oder mal wütend wird, könnte sich dafür entschuldigen, könnte sich ver-antworten. Könnte antworten. Und bloße "Fehler" bewirken auch nicht, dass eine Person aus einer Gruppe ausgegrenzt wird, die sich nie etwas zuschulden kommen ließ. G24h EA-Oldie

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    2. EA-Oldie

      was mir an Deinem Kommentar noch auffiel. Du schreibst:

      „Ich kenne nur deine Version der Geschichte, minutiös aufgelistet und protokolliert.“
      Daher müsstest und könntest Du auch keine Entscheidung treffen, wer Recht und wer Unrecht hat.
      Kurz darauf aber triffst Du in einem anderen („umgekehrten“) Fall doch eine Entscheidung: Dass eine Person eine Gruppe mobben würde.
      Abgesehen davon, dass unklar bleibt, wie denn eine Person konkret eine Gruppe mobben soll: Die Version dieser Person kennst Du nicht. Dein Urteil gründet sich ausschließlich auf die Behauptungen einer anderen Person.
      Dabei kann ich mir durchaus vorstellen, dass jemand ein Störenfried ist oder „nervt“. Ich habe derartiges in EA auch schon erlebt. Allerdings nur innerhalb eines Meetings, nicht außerhalb.

      EA Oldie

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  3. EA-Oldie

    Liebe Andrea,
    Dir und den anderen, die sich hier meldeten, die sich Gedanken machten, die das Wohl eines Einzelnen ebenso wünschen wie das der Gruppe und von EA im Ganzen: nochmals meinen Dank!
    Auch dafür, dass ich nach sechs Monaten zum allerersten Mal innerhalb von EA in offener Runde überhaupt auch nur den Mund aufmachen konnte – zu dem hier geschilderten Konflikt.
    Ich wünsche und verlange kein Vorrecht. Vor fünf Tagen schrieb ich den Sprecher meiner alten Gruppe an und informierte ihn über meinen Beitrag hier im Blog.
    Meine implizite Botschaft: Ich mache nichts hinter Deinem/Euren Rücken, ich will niemand verleumden. Du und andere Beteiligte bzw. Betroffene könnt Euren Standpunkt und Eure Sichtweise hier ebenfalls darlegen!
    Als wäre es ein virtuelles Arbeitsmeeting, in dem fundamentale Fragen für EA sachlich beredet werden können: Ist EA plural und toleriert auch atheistische Sichtweisen? Wie deutbar ist die „Höhere Macht“? Wird der Glaube an sie empfohlen oder befohlen? Welche inhaltlichen Tabus gibt es in Meeting? Welche formalen Regeln sollten für Meetings und Arbeitsmeetings eingehalten werden?
    Es sind keine marginalen Fragen. Es geht auch um die große Frage, ob die „Schritte“ nur Larifari sind, routiniert hundertmal vorgelesen und in konkreten Situationen komplett ignoriert.
    Zum Beispiel der zehnte Schritt: “ Wir haben unsere persönliche Inventur fortgesetzt und wenn wir unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.“
    Manchmal muss man nichts zugeben, sondern einfach nur Antwort geben. Wer aber nicht einmal antworten kann, wo schon im normalen Alltag aus bloßem Anstand Antwort gegeben wird:
    Wie soll der noch glaubhaft machen, dass er tatsächlich „mit dem zehnten Schritt gearbeitet“ hat?
    Der zehnte Schritt kommt übrigens ganz ohne Gott und Glauben aus und ist mir daher besonders sympathisch. Man muss nicht „spirituell erwacht“ sein, um ihn leben zu können.
    In jeder Kultur, ob in Europa, Asien, Afrika, Amerika .. ist er ohne weiteres zu verstehen und umzusetzen. Habe ich etwas falsch gemacht, lag ich in etwas falsch? Wenn ja: man muss deswegen nicht Buße tun. Manchmal genügen eins, zwei, drei Worte: Sorry. Ich lag falsch, machte etwas falsch. Wenn aber nicht einmal das möglich ist, fragt sich, ob das ganze 12-Schritte-Gerüst nur eine bloße spirituelle Fassade trägt.
    G24h
    EA-Oldie

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  4. Andrea (Stuttgart) Beitragsautor

    Lieber EA-Oldie,

    du hast in meinen Augen mit allen sachlichen Argumenten, die du anführst Recht. 100 % und vollkommen. Und doch fällt es mir sehr schwer, das so stehen zu lassen. Nicht etwa, weil du nicht Recht hast. Aber jeder Versuch einer „Gegenrede“ von mir ist immer auch ein Hinweis darauf, dass ich auch noch da bin. Gekleidet in Worte, die fehlerhaft, stümperhaft, falsch und unvollkommen sind. Die von anderen (dir z.B.) zerlegt, zerpfückt, analysiert und widerlegt werden können und werden.

    Ich empfinde dich in deinem Rechthaben (NICHT etwa „Recht haben WOLLEN“ sondern explizit und ernst gemeint „Recht haben“) was die sachlichen Argumente angeht und in deiner verzweifelten Suche nach Gerechtigkeit und Wahrheit so übermächtig, so abgrundtief dominierend, dass ich mich dabei ertappe, wie ich über vollkommen unzureichende, falsche und jederzeit widerlegbare Worte den Versuch unternehme, nichts anderes zu sagen als „Hilfe, ich bin auch noch da, ich bin auch verletzt, getreten, verzweifelt. Ich ringe ebenfalls ums Überleben. Ich möchte auch wahrgenommen und gesehen werden. Ich bin auch ein armer Mensch.“

    Mobbing geschieht immer in einer Situation des Mangels. Meist ist es Geld oder sind es Arbeitsplätze. Dann beginnt das Hacken, das Ringen um die begehrten begrenzten Ressourcen. Zeit und Aufmerksamkeit sind begrenzte Ressourcen, Führerschaft, emotional oder intellektuell ist ebenfalls eine sehr begehrte und sehr begrenzte Ressource. Und in einer Gruppe – nicht einer Gemeinschaft! – kann es oft leider nur einen Führer geben. Das ist in meinen Augen sehr bedauerlich und keinesfalls wünschenswert, ist aber der Alltag im „normalen Leben“.

    In einer authentischen Gemeinschaft dagegen gilt ein „Leadership of all“. Jeder ist gleich und jeder hat den gleichen Rang, nicht nur organisatorisch sondern auch emotional und intellektuell.

    So will ICH Gemeinschaft und auf dieses „Leadership of all“ sind in meinen persönlichen Augen die EA-Regeln ausgerichtet. Und wenn sie alle wirklich beachtet werden, kann in meinen Augen nichts anderes herauskommen als eine Gemeinschaft, in der alle den gleichen Rang haben, alle die gleiche Position haben und keiner emotional, intelektuell oder sonstwie eine Führerposition innehat. Und wo es keine Kämpfe um Rangordnungen oder Hierarchien gibt.

    Ich wiederhole noch einmal. Du hast nach meinem Empfinden mit all deinen sachlichen Aussagen Recht. Und ich verstehe, dass du mit diesem Recht haben gehört und gesehen werden willst. Ich wünsche dir aber von Herzen, dass du die Frage „Willst du Recht haben oder glücklich sein“ ab und zu mit einem klaren „ich will glücklich sein“ beantworten kannst.

    Andrea

    Antworten
    1. Andrea

      und ich wünsche dir und deiner Gruppe, dass ihr gemeinsam den Weg in eine Gemeinschaft findet, in der jeder seinen Platz hat und glücklich sein kann und wo das „Recht haben“ kein Thema mehr und das „gesehen und gehört werden“ selbstverständlich ist. Wo keiner Angst hat sein Gesicht oder seine Position zu verlieren oder als Buhmann oder Schwächling dazustehen. Aber dazu muss jeder einzelne von Euch einen Schritt zurücktreten und ganz genau prüfen, was er oder sie da eigentlich und tief im Herzen wirklich möchte und ob ihr diesen Weg auch wirklich gemeinsam gehen wollt.

      Gute 24 Stunden

      Andrea

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    2. EA-Oldie

      Liebe Andrea,

      Du schreibst: „Mobbing geschieht immer in einer Situation des Mangels.“ Immer? Bist Du Dir wirklich sicher?
      Es klingt für mich ein wenig wie das vermeintliche Expertentum von Leuten: „Das ist doch nichts (anderes) als …“ Man glaubt, einer Sache auf den Grund gekommen zu sein – anders als Experten, die sich intensiv oder beruflich mit einer Thematik beschäftigen.
      Gewalt / Vergewaltigung geschieht „immer in einer Situation des Mangels“, ebenso Diebstahl, Betrug, Terror, Krieg …. Dass etwas „immer in einer Situation des Mangels“ geschieht, lässt sich über alles Mögliche sagen. Und es ist in dieser Form schlicht falsch.
      Kenntnisreicher zeigt sich in diesem Fall das bayrische Kultusministerium:
      „Mobbing ist also ‚kein Konflikt zwischen Zweien oder einigen Wenigen, die gleich stark sind und Krach miteinander haben. Mobbing bezeichnet den wiederholten und systematischen Missbrauch einer sozialen Machtposition.‘ (Schäfer/Korn 2004 I, 263) Es handelt sich um einen gruppendynamischen Prozess. Da Mobbing nicht den Regeln eines Konflikts folgt, ist der Einsatz von Mediation in diesem Fall wenig geeignet.“
      Der Gemobbte ist nicht „abgrundtief dominierend“, sondern steht abgrundtief allein. Nur einer tritt vielleicht? aus der Gruppe heraus und wagt ihr zu sagen: „Das geht gar nicht!“
      Es zeigen zehn, zwanzig oder mehr Finger auf einen Ausgegrenzten, aber nicht mit sachlichen Argumenten, sondern mit nur einem Argument, dem der Zahl: „Wir sind die Mehrheit, wir sind die Gruppe. Du bist nur einer, Du bist nichts. … Du magst sagen, was Du willst. Es zählt nicht. Unsere zehn, zwanzig Finger zählen mehr als jedes Wort, als jede Antwort.“
      Kinder sollen manchmal grausam sein, es gibt grausame Erwachsene, es gibt Menschen, die aus Lust unterwerfen und demütigen, die ihre Machtposition nutzen und genießen. Gemobbt werden mitunter auch Whistleblower – wenn sie Missstände bemerkt oder beklagt haben, wenn sie jemandem zur Gefahr werden.
      Menschen sind nicht aus sich heraus immer gut und fair und es bedarf nicht erst eines Mangels, um ihre dunklen Seiten auszuleben.

      LG

      EA-Oldie

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  5. Christine

    Hallo EA-Oldie,
    es ist sehr traurig, dass es auch im Meeting Mobbing gibt.
    wo ein Meeting doch ein sicherer und geschützter Raum sein sollte.
    Nicht umsonst besagen die EA-Regeln „wir urteilen nicht, wir argumentieren nicht, wir kritisieren nicht“.
    es scheint, in eurer Gruppe läuft einiges nicht im Sinne von EA.
    eine Gruppeninventur wäre tatsächlich wohl hilfreich.
    aber solange diese von einigen Mitgliedern nicht gewollt ist ist es schwierig.
    Auch an diesem ‚Arbeitsmeeting‘ scheint etwas faul zu sein. Dort werden normalerweise Sachfragen besprochen, mit Ergebnisprotokoll. es scheint, dieses wurde dazu missbraucht, einzelne Personen auszugrenzen. Das geht gar nicht.
    g24h christine

    Antworten
    1. EA-Oldie

      Hallo Christine,

      „(Im Arbeitsmeeting )werden normalerweise Sachfragen besprochen, mit Ergebnisprotokoll. Es scheint, dieses wurde dazu missbraucht, einzelne Personen auszugrenzen. Das geht gar nicht.“

      Ich danke Dir sehr für diese ebenso knappe wie klare Feststellung!

      G24h
      EA-Oldie

      Antworten
  6. andrea

    Lieber EA-Oldie,

    ich kenne dich nicht und auch nicht die Gruppe von der du sprichst.

    Mobbing ist ein ernster Vorwurf und es fällt mir schwer, wenn ich damit konfrontiert werde, mich hinter schönen Worten und Nichtstun zu verstecken.oder mich darauf zu verlassen, dass eine Höhere Macht das Problem schon lösen wird.

    Ich selbst gehe damit sehr vorsichtig um. Habe ich doch die Erfahrung gemacht, dass jedesmal, wenn ich mich aus einer Gruppe ausgeschlossen fühlte, ein mehr oder weniger großer Teil in mir selbst, die Gruppe aus meinem Herz ausschloss oder nach Gründen suchte, die Gruppe auszuschließen. Auch stelle ich wieder und wieder fest, dass Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung nicht immer kongruent sind und oft auch je nach Umfeld wechseln. Erleben mich die Einen als schüchtern und zurückhaltend, kann ich in einem anderen Umfeld als sehr dominant erscheinen. Das hängt von sehr vielen Faktoren ab, unter anderem von meinen eigenen Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten und von denen der anderen.

    Auch habe ich erlebt, dass Schweigen nicht immer ein Eingeständnis von Schuld oder schlechtem Gewissen sein muss. Manchmal ist Schweigen nichts anderes als Notwehr, denn wenn Antwort und Gegenantwort wieder und wieder vom Ästchen zum Stöckchen und zurück zum Zweigchen führen, kann wie es so schön heißt, Reden zwar Silber, Schweigen aber Gold und die letzte Notlösung sein, wenn man sich als einzelner oder als Gruppe sonst nicht erwehren kann.

    Und die Fünf-Finger-Regel gilt in meinen Augen auch nahezu immer: wenn ich mit einem Finger auf andere zeige, richten sich gleichzeitig 3 bis 4 Finger gegen mich selbst.

    Aber ich weiß auch, wie schnell sich eine Gruppe auf einen Einzelnen „einschießen“ kann und wie schnell ein Einzelner dann aufgibt und geht. Und wer nicht mehr da ist, kann auch nicht mehr „stören“ oder anecken – Problem gelöst … oder?

    Ich finde es wichtig, auch schwierige Themen wie „Mobbing“ ansprechen und diskutieren zu können. Zuallererst mit den Personen und innerhalb der Gruppen, die direkt davon betroffen sind, wenn das nicht hilft, auf anderen Wegen. EA hat kein Unterstützungsteam für Gruppen in Schwierigkeiten. Weder die Intergruppe noch die einzelnen Diensttuenden haben oder sind Ankläger, Verteidiger, Staatsanwälte, Richter oder Moderatoren. Wir sind auch keine Zensurbehörde

    Einer dieser Wege mag der EA-Blog sein, ob es sich nun um das Mobbing oder um die Notwehr einer Gruppe gegenüber einem Einzelnen handelt – vorausgesetzt, die EA-Regeln wie Anonymität und ein angemessen respektvoller Ton werden gewahrt, hier sehe ich zwar Schwächen in deinem Beitrag, aber wir sind ja alle nur Menschen.

    Ich kenne – wie gesagt – weder dich noch die Gruppe – ich wünsche nur allen Beteiligten, dass sie (wieder) ins Gespräch und damit vielleicht in die Versöhnung kommen.

    Andrea

    Antworten
    1. EA-Oldie

      Liebe Andrea, ehrlich und ausdrücklich danke ich Dir für Deinen Kommentar!
      Du hast etwas gelesen, Du hast nachgedacht, Du hast Dir die Mühe gemacht, etwas zu schreiben. Gleichzeitig zeigt schon Dein erster Satz, dass Du die tatsächliche Situation nicht kennst.
      Daher zuerst einige Klarstellungen:
      1. Mein Vorwurf des Mobbings richtet sich nicht (!) gegen die gesamte Gruppe sondern gegen eine einzige (!) Person, die jedoch dominierenden Einfluss besitzt.
      2. Letzmals war ich am 23. Januar in dieser Gruppe.
      3. Niemals habe ich während eines Meetings oder Nachmeetings irgendjemand kritisiert oder angegriffen. Ich wurde nie laut. Ich stand nie vor jemandes Tür. Ich habe niemand je telefonisch belästigt.
      Der Begriff „Notwehr“ bezieht sich i.A. auf Angriffe, die Leib und Leben gefährden. Ihn in diesem Kontext zu verwenden ist abwegig.
      4. Meinen an eine einzige Person gerichteten Vorwurf des Mobbings habe ich minutiös belegt, begründet und dokumentiert. Ich habe dazu Äußerungen dieser Person exakt zitiert und datiert. Ich habe den zeitlichen Ablauf („Mobbing-Tagebuch“) detailliert dargelegt. Ich habe damit korrespondierend mehrfache, gravierende Verletzungen von EA-Regeln aufgelistet. Ich war und bin mit meinem Vorwurf des Mobbings nicht unvorsichtig, sondern im Gegenteil übervorsichtig.
      5. Die von mir beschuldigte Person, ich nenne sie K. für „Kontrahent“, hatte in Meetings mehrfach Gelegenheit, mich in meiner Abwesenheit (!) zu „beschuldigen“. Auf Basis seiner völlig einseitigen und mutmasslich auch unwahren Behauptungen. Er setzte damit innerhalb von 14 Tagen ein „Arbeitsmeeting“ auf den Plan, in dem er die „Beschuldigungen“ fortsetzte – unter Beihilfe von komplett uninformierten Mitgliedern.
      6. Ich bekam weder in einem normalen Meeting, noch in dem „Arbeitsmeeting“ jemals irgendeine Gelegenheit, auf diese „Beschuldigungen“ etwas zu entgegnen.
      7. Die gegen mich gerichteten „Beschuldigungen“ waren komplett substanzlos, so dass in diesem unprotokollierten (!) Arbeitsmeeting keine Sachergebnisse festgehalten wurden, kein Beschluss gefasst wurde, keinerlei Regelverletzung festgestellt wurden.
      Es war alles nur „heiße Luft“.

      Antworten
    2. EA-Oldie

      Liebe Andrea,
      ja, diese Lebensweisheiten und Kalendersprüche. In manchen Situationen sind sie wirklich weise und an manchen Tagen treffend.
      Aber eben nicht immer. Angenommen, ein siebenjähriger Bengel kommt mit einem Verweis nach Hause. In der Schule hat er mutwillig eine Fensterscheibe mit einem Steinwurf zerdeppert. Wenn ihn die Eltern zur Rede stellen, antwortet er: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“.
      Die gleiche Antwort erhält eine Frau, wenn sie ihren Partner auf einen Seitensprung anspricht, der ihr gerade bekannt geworden ist.
      „Und die Fünf-Finger-Regel gilt in meinen Augen auch nahezu immer: wenn ich mit einem Finger auf andere zeige, richten sich gleichzeitig 3 bis 4 Finger gegen mich selbst.“
      Darauf beruft sich dann ein wegen Raubüberfalls Angeklagter, nachdem die Anklage gegen ihn verlesen wurde.
      Ein Prominenter, der im Internet geraden einem Shitstorm (z.B. #metoo) ausgesetzt ist, versucht es mit beidem:
      Zuerst: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Und dann: „Wenn ich mit einem Finger auf andere zeige, richten sich gleichzeitig 3 bis 4 Finger gegen mich selbst“.
      Das gleiche macht eine Regierung, wenn sie im Parlament auf Angriffe und Vorhaltungen der Opposition antworten sollte.
      Wer tatsächlich Mobbing, gezielte Ausgrenzung, Rufschädigung erfahren hat, wird beide Sprüche als zynisch empfinden, wenn sie die einzige Antwort auf konkrete Fragen und konkrete Vorwürfe darstellen.
      Und mehr noch als die Fünf-Finger-Regel gilt das „Prinzip Verantwortung“: Man antwortet, wenn man etwas zu verantworten hat und gefragt wird.
      Die genannten Lebensweisheiten kann man vielleicht zitieren, wenn man zuvor ehrlich und ausreichend geantwortet hat. Nicht, wenn man nie geantwortet hat.
      G24h
      EA-Oldie

      Antworten
    3. EA-Oldie

      Liebe Andrea,
      der vierte Schritt sagt: „Wir haben von uns eine gründliche und furchtlose Gewissensinventur gemacht“.
      Kann in einem Meeting ernsthaft vom „Arbeiten mit dem 4. Schritt“ gesprochen werden, wenn nicht einmal dort Antwort gegeben wird, wo bereits im Alltag bloßer Anstand Antworten gebietet?
      Du schreibst, bezogen auf eine Gruppe: „dass Schweigen nicht immer ein Eingeständnis von Schuld oder schlechtem Gewissen sein muss. Manchmal ist Schweigen nichts anderes als Notwehr.“
      Mitglieder dieser Gruppe lesen hier mit, sie sind anwesend! Sie könnten sich (anonym) erklären, auch ihr Schweigen. Doch sie tun es nicht. Das versuchst Du für sie zu tun, ähnlich wie ein Co-Abhängiger, indem Du Mutmaßungen über ihre eventuelle Not anstellst, und fehlendes Antworten/Verantworten (Schweigen) als vielleicht „letzte Notlösung“ bezeichnest.
      Zur „Not“ der Gruppe mit einem Einzelnen: Ich war letztmals am 23. Januar im Meeting.
      Vor einem „Arbeitsmeeting“ am 16. Januar war ich lediglich am 6. November dort und noch einmal am 19. 12.
      In allen vier Meetings redete ich so, wie ich sonst auch rede: Nie laut, eher reflektierend, nie übermäßig, ohne an irgendeiner Person Kritik zu üben. Für einige vielleicht zu „nach-denklich“ bzw. zu intellektuell klingend.
      In der gesamten Zeit gab es lediglich (außerhalb des Meetings) eine persönliche Begegnung am 15.1. – mit dem befreundeten Gruppensprecher, in guter, herzlicher Atmosphäre. Es gab in der gesamten Zeit ca. drei, vier Telefonate. Auch diese wenigen, eher kurzen Anrufe bei mir verliefen ruhig und in freundlichem Ton.
      Schriftlichen Austausch (mit Mails) gab es mit dem mobbenden Mitglied (der schrieb mir insgesamt ca. 500 Worte, provozierend, beleidigend, herabwürdigend), mit dem Gruppensprecher (der schrieb mir insgesamt ca. 430 Worte) und mit einem Mitglied, das sich als „Mediator“ anbot ( der schrieb mir ca. 250 Worte). Außerdem schrieb mir noch eine Freundin aus dem Meeting Nachrichten via WhatsApp, insgesamt ca. 380 Worte.
      Zum Vergleich: Dein Kommentar, auf den ich gerade antworte, zählt ca. 430 Wörter.
      Was ich umgekehrt diesen Meetingsfreunden geschrieben hatte, war ebenso sachlich wie meine Antwort, die Du gerade liest.
      Um vielleicht noch ein Beispiel zu geben. Das war meine letzte Nachricht an die nette Meetingsfreundin, geschrieben am 25. Januar:
      „Liebe …, ich danke Dir für Dein freundliches Nachfragen. Es tut gut, obwohl es mir sonst schlecht geht. Ich bin froh, wenn ich aktuell auch nur meine … machen kann. Das stand schon mehrfach auf der Kippe. Wie geht es Dir? Du hast Dich in Deiner Nachricht vom Dienstag in gewisser Weise schon auf das Arbeitsmeeting in der letzten Woche bezogen. Es hätte mich sehr interessiert, was Du als Ergebnis dieses Arbeitsmeetings betrachtest. Liebe Grüße ….“
      Ich habe seither nie mehr von ihr gehört. Allein meine Frage nach dem „Ergebnis dieses Arbeitsmeetings“ ließ sie dauerhaft verstummen. So sieht goldenes Schweigen aus, als Notlösung und Notwehr.
      Um auf den vierten Schritt und die gründliche „Gewisseninventur“ zurückzukommen. Den liest man routiniert im Meeting vor. Das war es oft auch schon. Schlimm ist das nicht. Mobbing allerdings ist wirklich schlimm, für den Ausgegrenzten. Ihn bringt es in Not und er ist es, der Empathie brauchen könnte.
      LG und gute 24 Stunden
      EA-Oldie

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  7. EA-Oldie

    Hallo Kay,
    danke für Deinen Kommentar!
    Nein, beide Blogposts sind von mir. Ich nenne mich EA-Oldie, weil ich EA seit über 32 Jahren kenne, besuche und wertschätze. Jener A-Freund, der mit großer Selbstverständlichkeit seine politischen und sonstigen Ansichten im Meeting teilt, ist der gleiche, der meinen fehlenden Gottesglauben „unerträglich“ fand und entscheiden will, ob ich (zukünftig) noch „ausreden“ kann oder nicht. Wie lange er EA kennt, weiß ich nicht. Vielleicht fünf Jahre. Womöglich eine zu kurze Zeit, um grundlegende EA-Regeln zu begreifen.
    Dass ich im Meeting meine atheistische Sicht bekannte (ohne eine höhere Macht leugnen zu wollen) und ihn später auf seine Regelverstöße hinwies (fortgesetztes Politisieren / Kritisieren von Beiträgen ) war ihm Anlass, mich aus dieser Gruppe zu mobben. G24h EA-Oldie

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  8. Kay

    Hallo Oldie 🙂

    ich vermute wegen Deines Bezuges auf den Beitrag > https://www.ea-selbsthilfe.net/2018/05/atheismus-und-pluralitaet-in-ea <, dass es aktuelle Auseinandersetzungen in Eurer Gruppe gibt. Deshalb vermute ich auch, dass die zwei Beiträge von den jeweils Beteiligten eines Konfliktes in der konkreten Gruppe stammen und Eure gleiche Namensgebung nur auf die beiderseitig vorhandene langjährige Erfahrung in EA hinweisen soll. Das mal vorweg als Grundlage, von dem ich ausgehe. Allein ein nicht gelöster Konflikt innerhalb einer Gruppe macht mich traurig. Ich habe es durchaus schon einige Male gehört, dass es größere Schwierigkeiten in einigen Gruppen gibt und dies kann die einzelnen Mitglieder einer Selbsthilfegruppe vor erhebliche Probleme stellen, die lieber auch gemieden werden oder vor denen auch die Flucht ergriffen wird. Es ist für mich befremdlich, wie es zu Verhalten in einer Gruppe kommen kann, was für Beteiligte als Mobbing erlebt wird. Das passt überhaupt nicht mit meinem Bild von EA. Bei uns in der Gruppe versuchen wir uns auf das Teilen unserer Erfahrung, Kraft und Hoffnung zu konzentrieren. Da passt die von dir erwähnte Verbreitung politischer Ansichten oder umweltlicher Überzeugungen für mich nicht so recht rein. Aber sei es drum. Für aktuelle Schwierigkeiten in einer Gruppe bieten manchmal die Texte von „Gruppen in Schwierigkeiten“ Nr. 310 Impulse; allerdings kann ich nicht beurteilen, ob dies für Euch hilfreich ist. Vielleicht wurde ja auch schon versucht, mit diesen Texten weiter zu kommen. Bezogen auf Deinen Beitrag hier, hört es sich so an, dass Du ein Verhalten eines Gruppenmitgliedes oder von mehreren Gruppenmitgliedern als Mobbing erlebst und dies in verschiedenen Situationen schwierig für Dich oder für die gesamte Gruppe wurde. Sowas kann viel Leid auslösen. Wir in unserer Gruppe teilen unser Leid und mir tat es oftmals gut. Ich möchte Dir Mut zusprechen, Dein Leid in der Gruppe zu teilen. Vielleicht hast Du es ja auch schon oft getan und als EA-Oldie lächelst Du nur müde über meine versuchte Aufmunterung. In meiner EA-Erfahrung war es für mich der erste Schritt dafür, mir meine Emotionen bewusster zu machen. Indem ich die Auslöser – für mich war dies meist das Verhalten von anderen - meiner Emotionen erkennen und diese von meinen Emotionen selbst trennen lernte. Dann konnte ich allmählich beginnen, mit meinen Emotionen bewusster umzugehen. Das was mir weh tat und was immer wieder schmerzte, konnte ich in meiner Gruppe sagen und im Benennen meiner Gefühle wurde für mich eine Tür geöffnet. Vielleicht sind Dir diese Erfahrungen nicht fremd und Du hast ein wirkliches Bedürfnis nach Unterstützung oder Zusammenhalt oder Akzeptanz in der Gruppe. Denn umso weniger das erfüllt wird, umso ärgerlicher oder frustrierender wird es auch in einer Gruppe sein. Dann braucht es vielleicht nur etwas Zuspruch und mit dieser Motivation sei es nochmal erwähnt: Reden hilft! 😉 Und ein guter Rahmen dafür ist die Gruppe. Ich habe tatsächlich erlebt, indem ich über meine Schwierigkeiten immer wieder geredet habe, dass ich immer mehr den Frieden des Programms erfahren durfte. Das dürftest Du als EA-Oldie auch kennen und deshalb wünsche ich Dir, dass Du diese Erfahrung erneut machst – von ganzem Herzen. G24h, Kay

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    1. EA-Oldie

      Hallo Kay,
      das noch zur Ergänzung: Du schreibst, dass die „Verbreitung politischer Ansichten oder umweltlicher Überzeugungen“ nicht so recht zu EA passt. Nun, es passt überhaupt nicht zu EA.
      In der Präambel heißt es: „Wir sind mit keiner … politischen Partei oder Organisation verbunden.“
      Im sechsten EA-Gedanken heißt es: „Wir diskutieren niemals über Religion, Politik, nationale oder internationale Streitfragen, andere Glaubenslehren oder Ideologien.“
      Die 10. Tradition lautet: „EA nimmt niemals Stellung zu Fragen außerhalb ihrer Gemeinschaft“
      Beim Thema Schritte, Glaube, Gott ist ein Sprechen über Religion naheliegend.
      Dagegen ist ein Sprechen über Politik und damit verbundene Streitfragen mit gutem Grund eigentlich ein Tabu im Meeting. Es kann Streit auch in der Gruppe entzünden.
      Wer in Meetings dennoch fortgesetzt für exponierte politische Websites wirbt, wer in aller Selbstverständlichkeit seine Redezeit für das Bekennen und Verbreiten politischer und sonstiger Ansichten nutzt, hat grundlegende A-Regeln nicht verstanden bzw. missachtet sie wissentlich.
      Wenn eine Gruppe über viele Jahre hinweg einem einzelnen Mitglied exklusiv gestattet, sich über elementare Regeln hinwegzusetzen, ist etwas faul. Auch dann, wenn vieles andere stimmt.
      Ich hatte gewagt, dieses Mitglied privat und in freundlichem Ton auf sein Missachten elementarer Meetingsregeln hinzuweisen: Fortgesetztes Politisieren und Kritisieren – auch von Beiträgen eines anderen. ( s.a. https://seelengewalt.wordpress.com/regelverletzungen/).
      Ab diesem Moment betrieb er meine Ausgrenzung: Mit einer schon im Ton feindseligen, abwertenden und unversöhnlichen Antwort, die ein weiteres Miteinander in der Gruppe (bewusst) unmöglich machte, mit Stimmungsmache hinter meinem Rücken (natürlich „anonym“), mit einem als Tribunal inszenierten „Arbeitsmeeting“.
      Da es mir in der Gruppe bzw. dem Meeting faktisch unmöglich gemacht wurde, überhaupt auf diese Angriffe zu reagieren, habe ich das Geschehen schließlich dokumentiert: als einen wohl sehr seltenen Fall von Mobbing in einer 12-Schritte-Gruppe.
      Vielleicht lässt sich daraus auch etwas lernen.
      Eine (anonyme) Gegendarstellung ist möglich und von mir sogar gewünscht.
      Nochmals danke für die Bereitschaft auch ein so problematisches Thema aufzugreifen!
      G24h
      EA-Oldie

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