Archiv für den Monat: Februar 2018

Du bist nicht allein – Versprechen und Verantwortung

Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir eine Gemeinschaft sind, in die nur Zutritt erhält, wer nach mehreren frustrierenden Anläufen, immer noch nicht aufgibt und es noch einmal und noch einmal versucht.

Der Hintergrund – vor kurzem erhielt ich folgende Nachricht:  ….

Hallo liebe EA-Leute,

ich war von „XX-Monat*“ bis „YY-Monat*“ in der Adula-Klinik in Oberstdorf. Dort lernte ich u.a. EKS und KODA kennen. Beide Meetings decken sich stark mit meinen Eigenheiten.

Nun entlassen, fuhr ich gestern nach „XX-Stadt*“ zur „Selbsthilfe-Einrichtung*“. Der in der EA-Liste beschriebene Meetingraum war geschlossen und weit und breit kein Mensch, auch in der Einrichtung nicht. Enttäuscht fuhr ich wieder nach Hause. Eine email-Adresse oder Telefonnummer gab es nicht, wo ich mich hätte rückversichern können.

Beim EA-Meeting in „YY-Stadt*“ gibt es eine email-Adresse, aber auf meine Mail hin, ob das Meeting noch existiert und ob es heute stattfindet kam auch keine Nachricht.

Somit hab ich gleich zu Beginn zwei unschöne Erfahrungen gemacht und frage mich nun, ob das wohl allgemein so ist. Kann mir da jemand was dazu sagen?

*Angaben aus der Mail aus Anonymitätsgründen geändert

Dies ist kein Einzelfall und ist mir wieder und wieder in den eineinhalb Jahren begegnet, in denen ich hier in der Kontaktstelle Dienst mache. Mehr noch, der Schreibende hat sich wenigstens zurückgemeldet und nachgefragt, andere tun das nicht, denken sich nur ihren Teil, versuchen es nie wieder und geben diese negative Erfahrung weiter.

Um den bereits frustrierten Hilfesuchenden nicht noch weiter zu frustrieren, habe ich, Andrea (Kontaktstelle) beim Meeting in „XX-Stadt*“ angerufen und erfahren, dass sich diese Gruppe immer noch trifft und wohl nur keine Rückmeldung mehr an uns für die Meetingliste gegeben hat. Denn als Datum für den letzten Kontakt stand das Jahr 2015 in der Meetingliste.

Das Meeting in „YY-Stadt*“ hatte Ende letzten Jahres noch Rückmeldung gegeben und es hatte wohl einfach niemand die Zeit, in die Mailbox zu sehen, das kommt vor, ist verständlich aber bedauerlich, lässt sich aber nicht vermeiden.

Ich habe viel Arbeit damit, solchen frustrierten Hilfesuchenden zu antworten und sie zu ermutigen, es noch ein zweites oder manchmal ein drittes Mal zu versuchen. Manchmal wäre es auch besser, klar zu sagen, in dieser Stadt gibt es uns nicht. Aber auch dazu sind eindeutige Informationen nötig.

Deshalb meine Bitte und mein Appell: der Satz „Du bist nicht allein“ ist nicht nur ein Versprechen, es bedeutet auch Verantwortung.

Denkt bitte auch an diejenigen, für die es wichtig ist, dass eine Gruppe erreichbar ist und gefunden werden kann. Und meldet euch als Gruppe bitte auch dann zurück, wenn sich seit Jahren nichts bei Euch geändert hat. Das gibt uns und den Hilfesuchenden die Information und die Sicherheit, dass es euch noch gibt. Und erspart mir und den Hilfesuchenden viel, viel Arbeit und Mühe.

Gute 24 Stunden und liebe Grüße von

Andrea aus der Kontaktstelle

 

12 Schritte als Weg

Liebe Leute!

Mein Name ist Christian, ich bin hochsensibel, chronisch einsam und emotional instabil.

Ich habe einige Jahre versucht die 12 Schritte zu machen. Ich bin dankbar für die Menschen, die ich in den Meetings erleben durfte. Ich kann aber in den 12 Schritten einfach keinen Weg sehen. Ich glaube es hat damit zu tun, daß Gott in meiner Wahrnehmung auf der Welt keine Wirksamkeit hat. Ich kann das leider beim besten Willen nicht erkennen. Für mich kommt alles was mit Gott zu tun hat nach dem Tod.
Was auf der Welt passiert, wird von Menschen gemacht.

Mit anderen Menschen mache ich immer dieselben Erfahrungen;
gar keine. Dadurch kann ich nicht lernen, wie Menschen „funktionieren“;
auf was sie reagieren (können). Da bin ich völlig ratlos.
Und es fällt mir schwer die wiederkehrende Ablehnung auszuhalten.
Mir ging das selbst in der Klinik so.
Mir kommen Menschen generell völlig unehrlich vor,
untereinander einem Gruppenzwang unterworfen.
Aber ich weiss das auch nicht wirklich.

Ich wäre sehr froh,
wenn ich einen Weg finden könnte,
nicht mehr unter dem Verhalten anderer Menschen
mit ihrer Abgrenzung leiden zu müssen.